Wie bewerten alleinerziehende Mütter das Leben in ländlichen Peripherieräumen – und wie gehen sie damit um? Einblicke in das Zusammenspiel sozialer und räumlicher Benachteiligung

Die Studie untersucht, wie alleinerziehende Mütter in ländlichen Peripherieräumen – geprägt durch schwache Arbeitsmärkte und schlechte Erreichbarkeit – ihre Lebenssituation wahrnehmen und bewältigen. Basierend auf problemzentrierten Interviews in Ostdeutschland und Tschechien zeigt sich: Zwar häufen sich für die Frauen soziale und räumliche Nachteile (z. B. begrenzte Jobchancen, Mobilitätseinschränkungen), doch viele empfinden diese nicht nur als Belastung. Stattdessen gewichten sie Vorteile ihres Lebensumfelds – wie günstigen Wohnraum, soziale Netzwerke oder Naturverbundenheit – oft höher.

Die Analyse des „Coping“-Verhaltens (Bewältigungsstrategien) offenbart: Die Frauen entwickeln individuelle Handlungsmöglichkeiten, um räumliche Grenzen zu überwinden – etwa durch flexible Arbeitsmodelle oder informelle Unterstützung. Allerdings sind diese Strategien oft mit Kosten und Risiken verbunden, z. B. finanzieller Unsicherheit oder Überlastung. Die Studie plädiert dafür, Subjektivität und Handlungsfähigkeit stärker in die Ungleichheitsforschung einzubeziehen, um zu verstehen, warum manche Frauen trotz struktureller Benachteiligungen kein Gefühl der Ohnmacht entwickeln.

Diese Veröffentlichung basiert auf dem Forschungsprojekt „Soziale Benachteiligung in ländlichen Peripherieräumen Ostdeutschlands und Tschechiens“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG; Projektnummer: 391073923) und der Tschechischen Wissenschaftsstiftung (GAČR; Förderkennzeichen: GF23-42452L) gefördert wurde.