Sprachverbote – völlig an der gesellschaftlichen Realität vorbei!

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verbietet das Gendern in seiner Behörde und empfiehlt allen öffentlich geförderten Institutionen keine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden. Er begründet dies mit mehr „Klarheit, Rechtssicherheit und Akzeptanz“.

Geschlechtergerechte Sprache = Abbild der Vielfalt 
Für uns ist das ein klarer Widerspruch: Wer sich öffentlich für kulturelle Vielfalt ausspricht, sollte sprachliche Vielfalt nicht einschränken. Geschlechtersensible Sprache ist ein wichtiges Instrument zur Gleichstellung aller Menschen. So soll die Gleichbehandlung alle Geschlechter und Identitäten zum Ausdruck gebracht werden. Ohne sie werden ganze Gruppen aus der Wahrnehmung verdrängt und aus gesellschaftlichen Debatten ausgeschlossen. Sprache prägt unser Bewusstsein und ist unverzichtbar für eine inklusive und demokratische Gesellschaft.
Und Sprache lebt, bildet neue gesellschaftliche Situationen ab und entwickelt sich weiter. 
Das Gendern ist Teil einer Jugendkultur geworden, die es selbstverständlich findet, dass alle Personen egal ob Mann, Frau, trans oder nicht-binär angesprochen werden, sich angesprochen und damit gesehen fühlen. Das zu verbieten ist absurd. Es sollte jeder Person freistehen, ob sie gendern möchte oder nicht.

„Wer das Gendern verbietet, sorgt nicht für mehr Verständlichkeit, sondern verhindert Repräsentation in der Sprache. Geschlechtergerechte Sprache sorgt dafür, dass alle mitgedacht werden und sich angesprochen fühlen. Das ist ein Kernauftrag demokratischer Kommunikation,“  so BAG- Bundessprecherin Konstanze Morgenroth.

Schönheit liegt nicht in der männlichen Form
Laut Weimer bedroht das Gendern die Schönheit der deutschen Sprache. Sternchen, Pünktchen und „innen“ lenkten vom Text ab und luden den Inhalt zusätzlich mit einer moralischen Bedeutung auf. Die Schönheit der deutschen Sprache sollte darin bestehen, dass sich alle angesprochen fühlen sollten. Nur in der männlichen Form zu sprechen und zu schreiben, schließt mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus und hat schon immer eine moralische Dimension. Die „männliche“ Sprache hat zum Beispiel zu dem Phänomen geführt, dass Kinder dachten, dass Astronauten oder Elektriker nur ein Beruf für Männer seien. Und immer wieder hören und lesen wir zum Beispiel von Patienten mit Brustkrebs oder geschlossenen Kitas, weil Erzieher krank sind. Das allerdings lenkt von der Richtigkeit des Inhaltes ab. Nur, weil auch (wenige) Männer Brustkrebs bekommen können oder weil im Erzieher*innenteam ein Erzieher arbeitet, wird die männliche Form verwendet. Das ist nicht nachvollziehbar, kommt aber dabei heraus, wenn Gendern verboten wird.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass gerade die unabhängigen öffentlich-rechtlichen Medien mit gutem Beispiel vorangehen. Ihnen nahezulegen, auf das Gendern zu verzichten, ist ungeheuerlich.

Sprache hat mit Respekt und Anerkennung zu tun und sie sollte ausdrücken, was ist und wer Akteur*in, etc. ist.


Mit freundlichen Grüßen
Konstanze Morgenroth
Bundessprecherin


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