Die erste gesamtdeutsche Studie zur Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft zeigt: Frauen tragen vielfältige Verantwortung – im Betrieb, Haushalt, Ehrenamt und außerlandwirtschaftlichen Berufen – doch ihre Leistungen bleiben oft unsichtbar und unterbewertet. Obwohl nur 11 % der Frauen offiziell als Betriebsleiterinnen geführt werden, sind 72 % an strategischen Entscheidungen beteiligt und 62 % für Finanzen und Buchhaltung verantwortlich. Die Studie offenbart, dass traditionelle Rollenbilder und rechtliche Hürden (z. B. fehlende Betriebsbeteiligung) Frauen benachteiligen – besonders bei Trennung, Scheidung oder Tod des Partners.
Gleichzeitig sind viele Frauen von hoher Arbeitsbelastung betroffen: 21 % zeigen Burnout-Risiken, und die Vereinbarkeit von Familie und Betriebsleitung führt oft zu Überlastung. Die Studie fordert mehr Planungssicherheit, faire Arbeitsverteilung und individuelle Absicherung (z. B. durch Verträge oder Versicherungen). Trotz der Herausforderungen schätzen Frauen die Lebensqualität auf dem Hof – etwa durch Naturverbundenheit und familiäre Strukturen.
Durchgeführt wurde die Studie vom Thünen-Institut und der Uni Göttingen (2019–2022) im Auftrag des Deutschen Landfrauenverbands, gefördert vom BMEL. Sie liefert eine wissenschaftliche Grundlage, um Gleichstellung in der Landwirtschaft voranzutreiben.
