Antifeministische Angriffe prägen zunehmend den Arbeitsalltag vieler kommunaler Gleichstellungsbeauftragter. Die vorliegende Handreichung greift diese Entwicklung auf und bietet eine praxisnahe Unterstützung, um entsprechende Angriffe zu erkennen, einzuordnen und im beruflichen Kontext professionell zu bearbeiten.
Grundlage sind eine bundesweite Befragung von 351 Gleichstellungsbeauftragten, leitfadengestützte Interviews sowie die Auswertung weiterer Datenquellen. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Ausmaß: 63 Prozent der Befragten berichten von konkreten antifeministischen Angriffen im Berufsalltag, 95 Prozent sehen ihre Arbeit durch antidemokratische Entwicklungen bedroht. Bundesweit wurden im Jahr 2024 insgesamt 558 antifeministische Vorfälle dokumentiert, rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Etwa ein Drittel der Angriffe findet im digitalen Raum statt. Die Vorfälle reichen von abwertenden Kommentaren über gezielte Einschüchterungsversuche bis hin zu Morddrohungen und wirken sich zunehmend auf Arbeitsbedingungen, Projekte und persönliche Sicherheit aus.
Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass antifeministische Angriffe häufig nicht offen auftreten, sondern in subtilen Formen erfolgen und dadurch schwerer zu benennen sind. Ihre Auswirkungen sind dennoch erheblich: Rund jede sechste befragte Person schätzt die eigene Sicherheit oder die des Teams als gefährdet ein, in etwa 21 Prozent der Fälle führen Angriffe bereits zu Einschränkungen von Projekten und Angeboten. Die Handreichung macht deutlich, dass diese Erfahrungen kein Einzelfall sind, sondern Teil eines größeren gesellschaftlichen Zusammenhangs.
Die Publikation versteht Gleichstellungsarbeit dabei ausdrücklich als Bestandteil demokratischer Infrastruktur. Sie zeigt auf, dass Angriffe auf Gleichstellung häufig mit weiteren demokratiegefährdenden Entwicklungen einhergehen und somit eine wichtige Frühwarnfunktion haben. Gleichzeitig wird deutlich, dass stabile Strukturen der Gleichstellungsarbeit einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Kultur leisten können.
Die Handreichung bündelt die gewonnenen Erkenntnisse, beschreibt typische Erscheinungsformen antifeministischer Angriffe und ordnet sie fachlich ein. Ergänzt wird dies durch praxisorientierte Strategien, Best-Practice-Beispiele und konkrete Handlungsansätze für den Umgang im Arbeitsalltag. Sie kann sowohl als Gesamtpublikation gelesen als auch gezielt für einzelne Fragestellungen genutzt werden, etwa bei der Entwicklung von Schutzkonzepten oder im Umgang mit Angriffen in Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.
Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung entwickelt und vom BMBFSFJ gefördert.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, zusammengestellt von der Amadeu Antonio Stiftung findet sich auch hier zum Download.
